Lisan Verlag
Dr. Hassan Hammad
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Der ausgemergelte Finger
Er schaute mich dümmlich an, wodurch seine Glotzäugigkeit noch deutlicher wurde. Ich wollte so tun, als schämte ich mich, aber ich war überhaupt keine geschickte Schauspielerin. Ich schaute mich um und stellte fest, dass mein Onkel mich mit ihm alleine gelassen hatte. Ich spürte Zorn in mir aufsteigen, aber wie immer verflüchtigte er sich im Nu.
Mit meinen Fingern zeichnete ich die Muster auf dem blauen Teppich neben mir nach, als ich jenen ausgemergelten Finger sah, der hin- und her pendelte und meine Kreise wegwischte, um seine eigenen mageren Kreise zu zeichnen. Ich zog meine Hand schnell weg, nur um zu sehen, dass er seine mit Speichel befeuchteten Eckzähne bleckte und auf eine widerwärtige Art schallend lachte, die ich ausgesprochen unangenehm fand. Er schaute mich an und verzog dabei seine rissigen Lippen. Überraschend zog er mit seinem ausgemergelten Finger meine Hand zu sich und tat mir dabei weh. Ich stieß einen Schrei aus und sofort ließ er meine Hand wieder los. Ich wischte sie an meinem bestickten Kleid ab.
Wie konnte mich mein Onkel nur an diesen Menschen verheiraten, dessen Kleidung immer zu schrumpfen schien, wenn ich ihn anschaute. Es war ihm auch entgangen, dass sowohl sein Vater als auch seine Mutter einen ausgemergelten Finger hatten. Ich hörte die Schritte der Frau meines Onkels, die sich meinem kleinen Zimmer näherte. Sie öffnete die Tür mit einem derartigen Ruck, dass sie gegen die Wand knallte und eine Kerbe schlug, aus der kleine rote Lehmstücke auf den Boden des Zimmers abbröckelten und dort einen Haufen Erde bildeten. ( ... )