Fatma al-Mazru’i

Das Gesicht der reizenden Witwe

Früh am Morgen öffnet sie ihre Wohnungstür und hält ihre beiden Töchter liebevoll an der Hand. Meine Augen verfolgen sie mit einer Mischung aus Neid und Wut. Alles an ihr ist reizend. Ich als Frau sehe ratlos die Bewegungen ihres weichen Körpers und ihrer Brüste. Ach, sie bewegen sich wundervoll, in seltsamer Harmonie. Sie sind bezaubernd. Ich weiß nicht, warum sie so fest sind. Vielleicht trägt sie einen guten BH, um die Männer zu reizen. Jetzt hat sie Feierabend und kommt zurück von der Arbeit. Mein Herz klopft laut und teuflische Gedanken tummeln sich zänkisch in meinem Kopf. Sie wird meinem Mann über den Weg laufen und ihre Brüste werden seinen Körper streifen. Ich höre das Klirren der Schlüssel und das Klappern ihrer hohen Absätze. Mein Herz zittert. Ich öffne die Tür mit der Vorstellung in meinem Kopf, mein Mann würde sie gerade fest an seine Brust drücken, ihre schmale Taille umfassen, während seine Atemzüge ihr Gesicht streifen. Aber überrascht stelle ich fest, dass sie mit ihren Töchtern vor der Tür steht und versucht, sie zu öffnen. Ihr Blick verrät Erstaunen über mein Verhalten.
Verärgert gehe ich wieder in meine Wohnung. Bestimmt heckt sie einen Plan aus. Ich erkenne es am Blick ihrer Augen, an der Hitze, die die Rundungen ihres Körpers, ihre Lippen und ihre Brüste ausstrahlen.
Weitere Monate vergingen. Ihre Existenz im Haus beunruhigte alle, vor allem aber die Frauen. Unter ihnen machte sich unterschwellig Angst breit. Doch nur der Oberschüler aus dem Nachbarhaus verfolgte die Frau mit seinen Augen. Ich bemerkte, wie oft ihre Blicke sich trafen - mehr, als dass es vielleicht Zufall hätte sein können. ( ... )