An den Präsidenten meines Landes, El Général


Herr Präsident, ich richte mich heute an Sie,
in meinem Namen und im Namen meines Volks, das im Elend lebt.
Wir sind im Jahr 2010, und noch immer sterben Menschen an Hunger.
Sie wollen arbeiten, um zu überleben, aber ihre Stimmen werden nicht gehört!
Gehen Sie auf die Straße und sehen Sie, wie die Menschen zu Tieren werden.
Sehen Sie die Polizisten und ihre Stöcke – tack, tack, tack!
Was kümmert es sie, da keiner ihnen Einhalt gebietet.
Gesetz und Verfassung, die kann man im Wasser auflösen und trinken.

Jeden Tag hör ich von einem, der unschuldig verfolgt wird,
auch wenn die Richter wissen, dass er ein ehrbarer Bürger ist.
Ich sehe Polizistenrowdys Frauen schlagen, die Kopftücher tragen.
Möchten Sie, dass Ihrer Tochter das geschieht?
Ich weiß, meine Worte bringen Sie zum Weinen.
Ich weiß, Sie sind ein Vater, der es nie dulden würde,
dass man seinen Kindern Böses antut.
Das ist die Botschaft eines Ihrer Kinder, das zu Ihnen spricht,
Über unser Leid und unser Hundeleben.
Das halbe Volk lebt erniedrigt und trinkt aus dem Glas des Leidens.

REFRAIN (2 x)
Herr Präsident, Ihr Volk stirbt.
So viele suchen ihr Essen im Müll.
Sehen Sie doch, was im Land passiert!
Elend überall, die Menschen haben kein Dach über dem Kopf.
Ich spreche im Namen des Volks, dem Unrecht geschieht
und das unter dem Fußtritt der Mächtigen zerbricht.

Herr Präsident, ohne Angst soll ich sprechen, sagten Sie.
Ich sprach und wusste, es endet mit Schlägen.
Ich sehe so viel Ungerechtigkeit, darum will ich jetzt sprechen,
auch wenn mich so viele warnten, ich würde am Galgen enden.
Wie lange noch sollen die Tunesier in der Illusion leben?
Wo ist die Meinungsfreiheit? Das sind nur leere Worte!
Man nannte Tunesien »die Grüne«. Herr Präsident, heute sehen Sie,
dass Tunis eine Wüste geworden ist, in zwei Teile geteilt.
Sie stehlen am helllichten Tag und plündern das Land.
Ich brauche ihre Namen nicht zu nennen, Sie wissen, wer die sind!
So viel Geld wurde gesprochen für Projekte und Infrastruktur:
Schulen, Krankenhäuser, Gebäude und Sanierungen.
Aber die Hurensöhne haben ihre Taschen mit dem Geld des Volkes gefüllt.
Sie haben gestohlen, geplündert, geraubt, und wollen ihre Sessel nicht räumen.
Ich weiß, es gibt so viele Worte in den Herzen der Menschen, die Sie nicht erreichen.
Wäre nicht alles so ungerecht, ich würde sie heute nicht aussprechen.

REFRAIN (2 x)
Herr Präsident, Ihr Volk stirbt.
So viele suchen ihr Essen im Müll.
Sehen Sie doch, was im Land passiert!
Elend überall, die Menschen haben kein Dach über dem Kopf.
Ich spreche im Namen des Volks, dem Unrecht geschieht
und das unter dem Fußtritt der Mächtigen zerbricht.

Okay ... Die Stimme der Nation ... El Général ... 2011:
Die gleiche Situation, die gleichen Probleme, die gleiche Pein.
Herr Präsident ... Herr Präsident ...
Herr Präsident!

REFRAIN (2 x)
Herr Präsident, Ihr Volk stirbt.
So viele suchen ihr Essen im Müll.
Sehen Sie doch, was im Land passiert!
Elend überall, die Menschen haben kein Dach über dem Kopf.
Ich spreche im Namen des Volks, dem Unrecht geschieht
und das unter dem Fußtritt der Mächtigen zerbricht.

Aus dem Arabischen von Kathrin Lötscher