Gedichte - Zakaria Mohammed


Eingesperrte Vögel, Zakaria Mohammed

Unsere Seelen sind Vögel, eingesperrt in unseren Leibern
Fliegt ein frei umherschweifender Vogel über uns hinweg
und sie hören seine Stimme, seinen Flügelschlag,
flattern sie mit ihren Flügeln
und schlagen gefährlich aus,
so dass uns beinah’ das Herz aus der Brust gesprengt wird

Wir müssen sie verjagen, diese Vögel
Wir müssen sie töten, diese umherstreunenden Himmelshunde
Sonst fressen diese Heuschrecken noch die letzten grünen Blätter unseres Lebensbaums

Die Toten

Als sie in den Tod gingen, fanden sie ihn nicht!
Sie hatten ihr Bündel
und silberne Zuckerkristalle dabei

Sie gingen
Doch sie fanden nichts!
Da waren sie erstaunt
Ist so denn der Tod?

Sie legten ihr Bündel auf die Erde
und warteten
Keiner, dem sie hätten folgen können
Keiner, der ihre Namen aufnehmen wollte

Da erkannten sie den Betrug,
Das war ganz klar

Doch als sie sich zur Rückkehr entschlossen,
hatte die Nacht bereits den Weg verwischt

Nun kauen sie auf silbrigem Kristallzucker
und üben ihre Kehlköpfe mit kreischenden
Schreien
Aber keiner wird sie hören
Nun warten sie, dass die Nacht ihren Vorhang
lüftet,
den sie doch niemals mehr lüften wird.

Aus dem Arabischen von Stephan Milich
Illustration Zakaria Mohammed