Alles bleibt unverändert - Ghassan Zaqtan


Was führte ihn dorthin

bei diesem eiskalten Wetter?
Nicht Sehnsucht oder Neugier
Vielleicht Angst oder das kalte Zimmer,
obwohl alles ganz unverändert aussah.
So wie er es in einem alten Gedicht geschrieben hatte,
das er nicht beenden konnte.

»Alles war immer noch beim Alten.
Seit wir in den Krieg gezogen sind,
seit der Kindheit oder vielleicht schon vorher
wurden die weißen Vorhänge von der Sonne jener Jahre
gebleicht
und der Kies im Eingang geschliffen und poliert
Vielleicht wurde das Gras länger
oder vertrocknete

Die drei Spiegel waren unverändert,
auch die Decken, die Regale
und der Besen,

das Familienfoto,
der in Leder gebundene Koran
und die Kette der verstorbenen Großmutter.

Alles unverändert, als sei nichts anders!
Vielleicht wir,
die wir von der läutenden Schulglocke in den Krieg gefallen waren.«
Das war im Winter 1986 in Damaskus, seine Mutter war noch nicht gestorben,
und irgendwo gab es da eine Bresche in jenem Gedicht, wie eine
Grube, die ihm folgte
Er hörte ihr Stolpern hinter sich, immer genau da, wohin er ging, am
ruhelosen Ende seiner Träume
Von da aus starrten sie ihn an und ihre konfusen Gebärden erweckten
die Jungen, die nicht von der nächtlichen Patrouille zurückgekommen waren,
und die Getöteten, die wieder auf den Schwellen ihrer Häuser saßen
Jetzt spürte er, wie er in diese Bresche sprang, ohne den Weg genau zu kennen,
wo das Gedicht noch quälend unvollendet ist,
von Nachdenklichkeit benetzt
Und von Eile ergriffen
Dachte er, dass solche Tricks
gut für den Schluss seien

Er könnte das Wort »Großmutter« gegen »Mutter« austauschen
und bemerken, wie der Kalk vom Türbalken herabfällt
und die umgestürzte Bank im Garten,
wo die Malvenblüten es schwer haben, sich aber auch ohne Pflege wieder erholen
Das schummrige Licht im hinteren Fenster war auch immer noch da

Nur die Jasminsträucher waren weithin sichtbar zum Dach hinaufgerankt

Aus dem Arabischen von Suleman Taufiq