Lisan Verlag
Dr. Hassan Hammad
Wasgenring 29
4055 Basel/Switzerland
Mobile Schweiz:
0041 (0)76 415 14 53
Mobile Deutschland:
0049 17663386104

Erstes Kapitel
Die Vereinigten Arabischen Emirate — Der Sommer 1993
Sie zog mich an meinem orangefarbenen Hemd hinter sich her ins Bad, um das Blut abzuwaschen. Der Klang ihrer tiefen Stimme passte zur Atmosphäre des Raumes, während die Stimme von Abdul Halim Hafez aus dem kleinen Radio am Fenster mit dem dunkelblau gestrichenen Rahmen Licht verbreitete. Ihre Verwünschungen schienen zusammen mit dem Wasser aus dem Hahn zu prasseln. Knoblauchgeruch hing in ihrer arabischen Küche mit den Fischbildern, einigen kleinen mit ihrem Schweiß getränkten Handtüchern und dem großen grünen Kühlschrank, in den sie die Becher mit gefrorener Vimto-Limonade stellte, die sie für einen halben Dirham an die Kinder verkaufte. Sie rief mich bei meinem Namen: »Nasir, ist alles in Ordnung mit dir?«
Eine dicke Maus, die zu dieser Zeit aufzustehen pflegte, huschte zwischen ihren metallenen Blumentöpfen hindurch, die in einer Ecke aufeinanderlagen. Kein Laut war zu hören, außer ihrer Stimme und der Abdul Halims. In einem runden Kinderwagen lag ihre kleine Tochter und kaute auf einer Plastikpuppe herum. Meine Hand hörte nicht auf zu bluten, während sie zu Gott um Hilfe betete und ihre Besorgnis in gebrochenem Emiratisch zum Ausdruck brachte, und zuweilen auch in ihrem ägyptischen Dialekt.
Umm Salah stammte aus Al-Mansura. Mit fünfzehn hatte sie Salim At-Tafik geheiratet und ihr Viertel in Ägypten verlassen, um mit ihm in den Emiraten zu leben und ihm Kinder zu gebären. Sie war dabei, meine stark blutende Wunde zu versorgen, als unvermittelt die Tür ging. Sie drückte mir gerade einen scheuen Kuss aufs Gesicht, als Abu Salah mit seiner schuppigen Nase, seinem dunklen Teint und seinen ständig tränenden Augen eintrat, wobei er vor sich hinmurmelte, wie es seine Gewohnheit war. Er gab einige unverständliche Worte von sich, während Umm Salah ihr Schicksal verfluchte. Sie schickte mich aus der Küche.
Wie oft am Tag würde ich ein Hund sein und würde der Staub der Körper, die täglich meinen Weg kreuzen, von mir abfallen. Wie oft noch würde mein Vater mich einen Esel nennen, wenn ich nach Hause kam, mit Kleidern, feucht von der Zunge Umm Salahs und dem stark salzigen Wasser aus ihrem Wasserhahn, mein Blut sachte zu Boden tropfend, wie das Flehen einer Liebenden im Glanz des Mondes und ihrer Träume. Auf meiner Schulter befanden sich vereinzelte Flecken, die von der Umarmung des Staubs unberührt waren, denen vielmehr Asyl und Mitgefühl verheißen wurde.
Aus dem Arabischen von Evelyn Agbaria